Der Härtetest für duftende Wäsche: Katzenurin!

07.02.2018  |  Aktuelles

Mmmmh, herrlich: der Duft frisch gewaschener Wäsche! Schade nur, dass er im Alltag viel zu schnell verloren geht. An seine Stelle treten ruckzuck Fett, Schweiß & Co., die an unserer Kleidung anhaften. Grund genug für Dr. Frank Strauß (Forschung & Entwicklung, Dr. Beckmann), ein cleveres Produkt zu erfinden, das dem vorbeugt. Dabei setzt er auf den Härtetest in Sachen Geruchsbelastung: Katzenurin! Kaum etwas stinkt penetranter und setzt sich hartnäckiger fest. Fiese Gerüche wie solche wirklich komplett beseitigen und sogar die Neubildung verhindern? Das ist möglich. Dr. Frank Strauß weiß wie!

Herr Dr. Strauß, welche Gerüche gelten für Menschen als angenehm und unangenehm?

Es gibt eine ganze Reihe an Gerüchen, die von Menschen als angenehm empfunden werden. Als ein Beispiel wäre da der Duft von Blumen zu nennen. Vor allem Rosen wecken bei uns ein angenehmes Empfinden. Aber auch frisch geschnittenes Gras, Backwaren, frisch gebrühter Kaffee, Parfüm, Zitronen und alle Gerüche, die mit Weihnachten zu tun haben, werden als angenehm empfunden. Als unangenehm gelten hingegen Schweiß, kalter Rauch von Zigaretten, Abgase, Fäulnisgerüche (fauler Fisch, faule Eier etc.), Fäkalien und Urin.

Welche Unterschiede zeigen sich bei der Wahrnehmung von Gerüchen zwischen Männern und Frauen?

Studien zeigen: Männer und Frauen besitzen eine unterschiedliche „Riechausstattung“. Beide Geschlechter weisen zwar die gleiche Anzahl an Riechrezeptoren auf (400 Stück), diese verteilen sich aber auf eine unterschiedlich hohe Anzahl an Riechzellen. Frauen haben mehr Riechzellen und damit auch eine höhere Riechzellendichte. Sie reagieren dadurch meist sensibler auf Gerüche. Trotz dieses Unterschieds können Männer und Frauen theoretisch aber gleich viele unterschiedliche Gerüche unterscheiden, etwa bis zu einer Billion.

Was genau versteht man unter dem Geruchsgedächtnis?

Gerüche und Erlebnisse gehen miteinander einher. So werden Düfte in unserem Gedächtnis vor allem dann gespeichert, wenn wir sie in emotionalen Situationen wahrnehmen. So erinnern sich viele Frauen, wenn sie süße Gerüche wahrnehmen beispielsweise oft an das Backen mit der Mutter in ihrer Kindheit.
Männer denken bei Schmierfett oder Dieselgeruch womöglich an das gemeinsame Werkeln in der Garage mit dem Vater und verbinden somit etwas Positives damit. So bilden sich auch die unterschiedlichen Vorlieben für Gerüche bei den Geschlechtern aus.

Wie unterschiedlich stark nehmen verschiedene Stoff- und Gewebsarten (Baumwolle, Polyester etc.) Gerüche auf?

Wie stark sich Gerüche an Stoff- und Gewebearten anhaften, hängt mit der Molekülstruktur der Gerüche zusammen. Schlechtgerüche besitzen oft aufgrund ihrer Molekülstruktur ein stärkeres Anlagerungsbestreben - deshalb bleibt der Fettgeruch aus der Imbissbude auch länger an unserer Kleidung haften als Parfum. Außerdem lagern sich Gerüche an Textilien aus bestimmten Materialien besser an, als an anderen. So setzen sich die Schlechtgerüche beispielsweise in Polyester stärker fest als in Baumwolle. Generell nimmt das Anhaften dieser Gerüche von Polyester über Baumwolle zu Wolle hin ab. Windelüberhosen wurden früher genau aus diesem Grund aus Wolle gefertigt, da sie Uringeruch kaum aufnehmen. Auch die Gewebekonstruktion hat einen Einfluss auf das Festsetzen von Gerüchen. Je nachdem wie dick oder dünn ein Gewebe ist, haften sich Gerüche unterschiedlich stark fest. Das kennen wir auch aus dem Alltag. Eine dünne Bluse lüftet schneller aus als eine Jeans oder ein Mantel.

Welche Rohstoffe besitzen eine geruchsreduzierende/-eliminierende Wirkung?

Rohstoffe, die beispielweise Schlechtgerüche zersetzen können, sind Enzyme. Ihr Wirkspektrum ist allerdings meist beschränkt, da sie nur gezielt einzelne chemische Bindungen angreifen und so den Abbauvorgang in Gang bringen. Cyclodextrine hingegen  können mit Käfigen verglichen werden, die die Schlechtgerüche einlagern. Auch Desinfektionsmittel können helfen, Gerüche zu reduzieren oder zu eliminieren. Sie setzen bei der Ursache an, indem sie die Bakterien bekämpfen, die zum Beispiel Schweißgerüche auslösen. Chlorverbindungen sind effektiv, aber auch aggressiv: Sie können die Farben der Kleidungsstücke und das Gewebe selbst schädigen. Der neue Dr. Beckmann Geruchsentferner enthält gleich drei Wirkstoffe: Zinkricinoleat und zwei weitere zusätzliche Komponenten. Sie geben einen guten Geruch ähnlich wie Parfum ab, haben aber gleichzeitig auch die Fähigkeit Schlechtgerüche zu binden und dadurch zu neutralisieren. Außerdem verhindert der Dr. Beckmann Geruchsentferner nachhaltig neue Schlechtgerüche.

Wie wurde der Dr. Beckmann Geruchsentferner entwickelt?

Die Entwicklung des Dr. Beckmann Geruchsentferners verlief in drei Stufen. In der ersten Stufe haben wir mithilfe von Screeningtests aus einer Vielzahl von Rohstoffen
die Basis für unser neues Produkt ausgewählt. Dafür haben wir die Wirkung der Rohstoffe an unterschiedlichen künstlichen Schlechtgerüchen unter Laborbedingungen getestet. In der zweiten Stufe sind wir zu Tests mit der Waschmaschine übergegangen. Im finalen Schritt haben wir eigene Mitarbeiter  hinzugezogen. Diese haben uns getragene Kleidungsstücke zur Verfügung gestellt. So sind wir an reale Gerüche gekommen, an denen wir die ausgewählten Rohstoffe nochmals in der Waschmaschine geprüft haben. Unsere Rezeptur für den Geruchsentferner haben wir damit auch noch einmal optimiert.

Wie wirkt der Dr. Beckmann Geruchsentferner?

Beim Waschen werden Gerüche nicht immer vollständig entfernt. An diesem Problem setzt der Dr. Beckmann Geruchsentferner an. Er verteilt sich beim Spülgang auf den Textilien. Seine Wirkstoffe verbinden sich dann gezielt mit den verbliebenen Gerüchen und eliminieren sie. Gleichzeitig verbleiben spezielle Frische-Depot-Kapseln in den Kleidungsfasern. Diese brechen beim späteren Tragen nach und nach auf. Der freigesetzte Wirkstoff neutralisiert neu entstehende Gerüche und verhindert so, dass diese sich festsetzen können. Zusätzlich entfaltet sich ein angenehmer Duft, der für ein langanhaltendes Frischegefühl sorgt.

Warum gilt Katzenruin als bewährter Testgeruch für Produkte?

Bei der Entwicklung von Neuprodukten, stellt sich immer die Frage des Aufwandes. Wir konnten nicht zu jeder Zeit mit allen Schlechtgerüchen, die wir als wichtig empfanden, alle Tests durchführen. Synthetischer Katzenurin hat sich in den Labortests bewährt. Denn mit seiner Hilfe kann die Wirksamkeit von einzelnen Rohstoffen oder auch Rezepturen gut beurteilt werden. Wir haben auch andere Schlechtgerüche zur Validierung herangezogen, aber Katzenurin war für uns der Leitgeruch.

Wie genau verläuft ein Riechtest im Detail?

Bei einem Riechtest bekommen die Probanden unterschiedlich behandelte Textilien vorgelegt. Dabei handelt es sich um Stoffproben mit Schlechtgerüchen, die mit unterschiedlichen Rezepturen behandelt wurden. Zum Vergleich erhalten sie auch immer ein unbehandeltes Schlechtgeruchs-Textil. Nun müssen die Probanden  beurteilen, ob und wenn ja, wie stark der Schlechtgeruch eliminiert wurde. Diesen Test kann man mit jeder Person machen. In unserem Unternehmen gibt es aber ein paar Kollegen, die nicht nur ein sensibleres Näschen besitzen, sondern auch Geruchsunterschiede sehr gut in Worte fassen können. Sie kommen bei Riechtests bevorzugt als Probanden zum Einsatz. Als zusätzliches Hilfsmittel  werden auch verschiedene Bewertungsskalen zum Beispiel hinsichtlich Geruchsintensität und Duftempfinden verwendet.

Wie geruchsempfindlich sind Sie mittlerweile im Alltag?

Trotz meiner jahrelangen Arbeit bin ich gegenüber Gerüchen nicht empfindlicher geworden. Nach langen Entwicklungsphasen meide ich eine Zeit lang aber die Testgerüche. Damit gönne ich mir, meiner Nase und meinem Geruchsgedächtnis auch mal eine Pause, damit mich die Gerüche nicht immerzu an die Arbeit im Labor erinnern – Katzenurin ist schließlich nicht einer meiner Lieblingsgerüche.

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